Zukunftsfähiger Wald

Entstehung des Projektes „Zukunftsfähiger Wald Westerwald“

Noch während der Dreharbeiten ergab sich für uns die Zwangsläufigkeit eines weiteren Projektes, unserer Natur zu helfen: “Zukunftsfähiger Wald Westerwald”. Wichtig dabei ist der unmittelbare Bezug der Bevölkerung zu unserem Westerwald. Allgemeine Lippenbekenntnisse zu Umweltschäden nützen uns nichts, unser Westerwald leidet Not. Auch in der regionalen Begrenzung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit zur Realisation von effizienten Umweltprojekten. Hier geht es um Wiederaufforstung und Nachhaltigkeit.

Unser Wald:

Wälder sind neben den Weltmeeren die artenreichsten, produktivsten und wertvollsten Lebensräume der Erde. Der vielfältige Organismus spendet den Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, bindet das Treibhausgas CO2 und reguliert so das Klima. Die Wurzeln und Waldböden speichern Regen, der Wasserhaushalt wird reguliert und die Blätter und Nadeln der Bäume filtern Staub und andere Partikel aus der Luft. Das Ökosystem Wald bietet zudem eine Heimat für mehr als 1200 verschiedene Pflanzenarten und tausende Tierarten. Als grüne Lunge der Erde sind sie deshalb unersetzlich. Doch heute sehen wir im Wald nur noch wirtschaftliche Effizienz, vielerorts ist unser Wald schon Geschichte. Um die Lebenslage des heutigen Waldes besser zu verstehen, müssen wir in die Vergangenheit blicken.

Würde man sich also heute mancherorts in eine Zeitmaschine setzen und würde ins Jahr 2500 vor Christus reisen, stünde man im Wald, denn vor 6000 Jahren bedeckten massive Buchen- und Mischwälder 95 Prozent Mitteleuropas. Dort, wo sich heute Deutschland erstreckt, befanden sich einst also riesige Mischwälder aus Eichen, Buchen, Linden und Eschen. Folgt man den weiteren Jahren bis 1900 vor Christus, so erkennt man, dass das Klima kühler und feuchter wurde.

Der bereits in frühchristlicher Zeit beliebte Baustoff Holz erlebt jedoch erst im 17. Jahrhundert seine Bedeutung. In kürzester Zeit entwickelte sich die Gesellschaft rasant zur Industriegesellschaft. Schiffsbauer, Bergleute und Köhler – also die Hersteller von Holzkohle – holzten ab, was der Wald hergab. Doch die Zeitgeschichte ist noch nicht vorbei, sie beginnt gerade erst. Nach dem Kahlschlag im 17. Jahrhundert ist viel geschehen: poetische Verklärung in der Romantik, die beiden Weltkriege, Einsätze von Chemiewaffen und das große Waldsterben um 1980.

 

1984 rüttelte der Waldschadensbericht die deutsche Öffentlichkeit erstmals auf. Vor allem Tannenwälder in Süddeutschland waren die ersten, die unter der Umweltverschmutzung litten. Schwefeldioxid aus Kohlekraftwerken und der saure Regen setzte den Bäumen zu, zudem bestand die Gefahr, dass sich die Schäden auch auf andere Baumarten ausweiten könnten.

2012 ergab die Bundeswaldinventur, dass auf einem Viertel unserer Waldflächen Fichten stehen, am zweithäufigsten Kiefern und Buchen. Mehr als elf Millionen Hektar – ein Drittel der Fläche Deutschlands – ist heute mit Wäldern bedeckt. Knapp die Hälfte des Waldes ist in privater Hand, der Rest gehört Bund oder Kommunen. 77 Jahre alt ist der deutsche Baum heute noch im Durchschnitt, vor kanpp 700 Jahren lag er noch bei 120 Jahren. Besonders die hohe Nachfrage privater Haushalte nach Holz trägt dazu bei, dass Bäume zu früh gefällt werden. Dieses Interesse hat sich zwischen 1990 und 2010 verdoppelt. Der Wald ist ein riesiger Industriezweig geworden, der noch weiter wächst. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Jahresumsatz mit Holz jährlich zwischen 150 und 190 Milliarden Euro liegt.

Es ist nur noch wenig geblieben von dieser einstigen europäischen Waldwildnis.

Die Fichte – Holzlieferant mit Nachteilen?

Die Fichte ist der ideale Holzlieferant, sie wächst schnell und gerade und ist schon nach 80 Jahren erntereif. Deswegen ist sie in der Forstwirtschaft so beliebt. Doch spätestens seit dem Orkan Kyrill im Januar 2007 sehen viele Experten die ausgedehnten deutschen Fichtenwälder mit Skepsis an. Denn die flachwurzelnden Bäume kippten beim Orkan reihenweise um und sorgten somit für einen Kahlschlag in der Landschaft. Sie erwiesen sich als nur wenig sturmbeständig. 2018 zeigte die Fichte erneut große Probleme, die sich landesweit ausweiten. Der Borkenkäferbefall ist ein Resultat der Trockenheit und der Hitze. Da die Fichten Flachwurzler sind, bekamen sie zu wenig Wasser, um genügend Harz zu produzieren. Die mangelnde Harzbildung führte zu einer Vermehrung der Borkenkäfer. Für den Klimawandel scheint die Fichte nicht gut gerüstet. Wie genau sich der Klimawandel auf den deutschen Wald auswirken wird, bleibt nur schwer vorherzusagen. Doch, dass er den Wald verändern wird, ist sicher.