Biologischer Holzkreislauf / Das Sterben der Bäume und weiter?

Die Auswirkungen der Dürre vergangenen Jahres und auch die Stürme schaden dem Wald langfristig. Immer mehr Waldflächen vertrocknen, was für die Waldeigentümer ein gewaltiger ökonomischer Schaden bedeutet. Angesicht des milden Winters und den aktuell warmen Temperaturen stehen die Chancen auf eine längerfristige Erholung des Waldbodens schlecht. Der aktuelle Klimastress für den Wald bereitet nicht nur den privaten Waldbesitzern Stress, sondern auch den Landesforsten. Beide Seiten fordern daher den Wald systematisch so umzubauen, dass er zukünftigen Klimaextremen ausreichend gewachsen ist. Dieses Ziel versucht man zu erreichen mit dem Aufforsten eines strukturierten, stabilen Mischwaldes, der aus Baumarten besteht, die auch dem Klima der Zukunft gewachsen sind, insbesondere mit trockeneren Böden und Versauerung zurechtkommen. Der Leitsatz hier: Vielfalt minimiert das Risiko.
Auch die natürliche Dynamik des Waldes spielt hierbei eine eine wichtige Rolle. Alte, schwache Bäume, die von Blitzschlag oder Stürmen heimgesucht wurden, gelangen ebenso wie abgestorbene Blätter, wieder in den Nährstoffkreislauf des Waldes zurück.
Nun, unser Waldboden ist ein sehr sensibler Boden und wimmelt vor Leben. Millionen Kleinstorganismen und Insekten sind Regulatoren der Nährstoff- und Energieflüsse. Meist von den Larven gefressene Pflanzenmaterialien gelangen in Form von Kot zurück auf den Boden. Die Exkremente werden sehr schnell von Mikroben besiedelt und der Boden hierbei mineralisiert. Dabei wird der Kot stark zersetzt und für die Vegetation direkt aufnehmbar.

So ähnlich funktioniert es auch bei der Zersetzung von Bäumen, wobei sich der Prozess grob in drei Phasen unterteilen lässt:
In der ersten Phase besiedeln Pioniere die frisch abgestorbenen Bäume. Diese primären Xylobioten ernähren sich oft nur von spezifischem Holz oder Rinden, dazu gehören u.a. der Bock und der Prachtkäfer. Die Pioniere sind also zuständig für das Lösen der Rinde vom Holz, doch auch die Bohrtätigkeit sorgt für den weiteren Abbau. Der Abbau eines Stammes nur durch Mikroben allein würde doppelt so lange dauern wie mit Hilfe der Holzinsekten. Hinzu kommt die schwer zu besiedelnde Rinde und die darunter liegenden Holzkörper, die von Pilzen Unterstützung beim Abbau bekommen. Dieser Vorgang dauert ein bis zwei Jahre.
In der zweiten Phase beginnt sich das Holz zu zersetzten. Äste fallen ab und Moose besetzen den Stamm. Auch das Insektenmilieu ändert sich. Neben dem Schwarzkäfer sind es vor allem die Holzwürmer, Fliegen, Mücken, u.a. die im toten Holz leben. Wie auch schon in der ersten Besiedlungsphase, ernähren sich diese ausgiebig vom Holzfraß, dabei bringen sie automatisch Bakterien und Pilze mit in das Holz ein, und genau diese spielen in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle.
In der Humifizierungsphase (der letzten Phase), ist der ehemalige Stamm nicht mehr als solcher zu erkennen, sondern nur noch als leichter langer Hügel, welcher langsam in den Waldboden übergeht. Nun leben Ameisen, Spinnen, verschiedene Käfer, Milben und Springschwänze im Holzmulm. Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Schnecken oder Asseln steigen nun in das Moderholz auf. Pflanzen und die ganzjährig wirkende äußere Witterung zersetzten das Material weiter, so dass Mikroben nun die einzelnen Bestandteile wie Zellulose oder Lignin weiter zerlegen können. Das Holz wird nun zu Roh Humus. Zu sehen bleibt nach vielen Jahren nicht einmal der Hügel von dem zersetzten Material.
Nicht immer läuft alles so glatt! Die durch den Menschen verursachte erhöhte CO 2 Bilanz führt nicht nur zur Erwärmung der Erde bei, sondern versauert zusammen mit anderen Ausstößen durch beispielweise die Industrie und Altlagerung, den Boden. Neben der Landwirtschaft ist auch beim Forst eine Zusatzkalkung bei Überschreitung der PH-Neutralität notwendig, damit der Boden nicht kippt. Betroffen ist nur ein kleiner Teil im deutschen Wald, doch das reicht schon aus, um die
aufwendige Kalkung durchführen zu müssen. Meist mit einem Helikopter wird so auf einen Hektar rund drei Tonnen Magnesiumkalk ausgebracht und bei einer Kalkung bleibt es in betroffenen Gebieten selten. Durch mehrere Jahre Klimaschutz und erneutes Ausbringen von Kalk kann ein Kippen des Waldbodens verhindert werden. Auch aktuell überhöhte Stickstoffeinträge belasten den Wald zunehmend.

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